04/07/2019

Jubiläum am EuroAirport – 70 Jahre schweizerisch-französischer Staatsvertrag

Vertreter Frankreichs und der Schweiz haben heute am EuroAirport gemeinsam die Vertragsunterzeichnung vor 70 Jahren gefeiert: Am 4. Juli 1949 vereinbarten die beiden Nachbarländer eine zwischenstaatliche Regelung über den Bau und den Betrieb des Flughafens Basel-Mulhouse. Mit der Gründung des ersten und einzigen binationalen Flughafens der Welt wurde im Dreiländereck ein Vorzeigeprojekt geschaffen. Wie die verschiedenen Rednerinnen und Redner am Jubiläumsanlass verdeutlichten, hat der EuroAirport massgeblich zum volkswirtschaftlichen Erfolg der Region beigetragen. Die Berücksichtigung der Grundsätze der Nachhaltigkeit stehen im Zentrum der künftigen Entwicklung.

Für die Schweizer Botschafterin in Paris, Livia Leu, haben die Nachbarländer allen Grund, den EuroAirport zu feiern: «Seit 70 Jahren beweisen die Schweiz und Frankreich mit Erfolg, dass sie gemeinsam eine für die ganze Region zentrale Verkehrsinfrastruktur betreiben und diese mit viel «Esprit binational» laufend weiterentwickelt haben». Für den französischen Staatsvertreter, Laurent Touvet, Präfekt des Oberrheins, ist der EuroAirport eine beispiellose Erfolgsgeschichte. «Der einzige binationale Flughafen der Welt ist ein Vorzeigeprojekt, das die guten Beziehungen der Schweiz und Frankreichs versinnbildlicht und für ganz Europa ein Vorbild sein sollte», so der Vertreter Frankreichs vor den 150 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Vom kleinen Flughafen Basel-Mulhouse zum bedeutenden EuroAirport

Aus dem kleinen Flughafen auf den Feldern von Blotzheim vor den Toren von Basel ist 70 Jahre nach Vertragsunterzeichnung der drittgrösste Landesflughafen der Schweiz und der fünftgrösste Regionalflughafen Frankreichs geworden. Während 1949 noch rund 26’000 Passagiere den Flughafen nutzten, werden es Ende 2019 mehr als 9 Millionen Passagiere sein. Über den EuroAirport werden auch wichtige Güter importiert und exportiert, die gute internationale Vernetzung des Standorts ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Wirtschaft in der Dreiländerregion. Der Flughafen schafft so Tausende Arbeitsplätze und eine geschätzte Wertschöpfung von jährlich 1,6 Milliarden Euro.

Der baselstädtische Regierungsrat Christoph Brutschin sagt vor diesem Hintergrund: «Der EuroAirport ist für unsere Bevölkerung und Wirtschaft seit 70 Jahren ein Tor zur Welt. Diesem Flughafen gilt es Sorge zu tragen, damit sich der EuroAirport im Interesse unserer Region weiterentwickeln kann». Es betonen alle Redner, dass die Bedürfnisse der Anrainergemeinden hoch gewichtet werden müssten. Stellvertretend Thomas Weber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft: «Der EuroAirport ist herausgefordert: Als erfolgreicher Flughafen hat er eine enorme Bedeutung für unsere Region. Gleichzeitig gilt es, alle Interessen in der Entwicklung miteinzubeziehen. Das Jubiläum ist eine Chance, um diesen Dialog zu verstärken».

EuroAirport will nachhaltig wachsen und Dialog verstärken

Dass es diesen Dialog zu intensivieren gilt, betont auch Raymond Cron, Vizepräsident des Verwaltungsrats des EuroAirport: «Die Akzeptanz des Flughafens ist zentral. Für den EuroAirport ist klar, dass ein weiteres Wachstum nur unter Berücksichtigung aller Interessen und im Austausch mit der Bevölkerung erfolgen kann ». Denn: Ob Passagierverkehr oder Luftfracht – die trinationale Region wird auch künftig den EuroAirport nutzen wollen. Bis 2030 wird von einem Passagieraufkommen zwischen 11 und 13 Millionen ausgegangen. Bei der geflogenen Luftfracht liegt die Prognose bei einem Umschlag von rund 100‘000 bis 130‘000 Tonnen.

Hierzu Raymond Cron: «Der volkswirtschaftliche Nutzen des EuroAirport wird noch zunehmen, das sind gute Perspektiven für unsere Region. Die Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Umweltaspekte dürfen dabei aber nicht vergessen gehen: Unsere Entwicklung wird stets auf der Basis ökonomischer, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeitsgrundsätze erfolgen».

Strategie EuroAirport: Reduktion der Lärm- und CO2-Belastung

So hat sich EuroAirport verpflichtet, bis ins Jahr 2022 seinen Co2-Ausstoss gegenüber 2015 um 20 Prozent zu senken. Für sein Engagement wurde der EuroAirport 2018 von dem europäischen Flughafenverband (Airport Council International Europe) mit der «Airport Carbon Accreditation» zertifiziert. Seit über 30 Jahren verfolgt der Flughafen ausserdem eine aktive Lärmvorsorge, um auch in den Nachtstunden dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung entgegenzukommen. Im November letzten Jahres hat der EuroAirport auch proaktiv gehandelt: Er beantragte dem französischen Transportministerium, zusätzliche verstärkte Lärmschutzmassnahmen zu prüfen. Das Verfahren beinhaltet die Überprüfung von Massnahmen auf vier verschiedenen Stufen: Lärmreduktion an der Quelle (weniger Lärmemissionen bei den Flugzeugen), raumplanerische Massnahmen, lärmmindernde An- und Abflugverfahren und als letzte Option Einschränkungen beim Betrieb. Ziel dieser Massnahmen ist eine deutliche Reduktion der Lärmbelastung nach 23 Uhr, ohne dass es deswegen zu gravierenden volkswirtschaftlichen Einbussen kommt.


1949, 2019 und die Zukunft: Bedeutende Entwicklungsprojekte stehen an

Da der Flughafen 70 Jahre nach Vertragsunterzeichnung an seine Kapazitätsgrenzen stösst und alle Prognosen von einem weiteren Bedarf nach Luftverkehrsdienstleistungen ausgehen, muss der EuroAirport seine Terminalinfrastruktur dringend modernisieren. Beim Passagierterminal werden als Kurzfristmassnahme unter anderem die Ankunftshallen komplett renoviert. Für die Sicherstellung der mittel- und langfristigen Leistungsfähigkeit ist unter anderem eine Erweiterung des Terminals geplant. Der Passagierbetrieb soll einfacher, bequemer und schneller von statten gehen. Der EuroAirport will zudem seinen Betrieb möglichst umweltschonend gestalten und seine Umweltauswirkungen wo immer möglich reduzieren. Das Ausbauprojekt namens MIT soll darum auch ein Vorzeigeprojekt in Sachen nachhaltigem Bauen werden.

Ein weiteres Projekt, das nicht vom EuroAirport selbst angestossen wurde, den Flughafen aber direkt betrifft, ist die geplante Bahnanbindung: Die beiden Basler Kantone, der Kanton Solothurn sowie die Région Grand-Est unterzeichneten dazu im Dezember 2017 eine gemeinsame Absichtserklärung. Die Bahnanbindung, die öffentlich breiten Zuspruch erfährt, ist auf 2028 geplant. Die Bahnanbindung des EuroAirport ist ein notwendiger Teil des grenzüberschreitenden S-Bahnnetzes in der ganzen trinationalen Agglomeration. Die Bahnanbindung ist kein Flugverkehrstreiber, sondern das Mittel, um den Verkehr von und zum EuroAirport von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Damit wird der CO2-Auststoss massiv reduziert. 5,8 Millionen Personen, die heute den EuroAirport per PKW oder Bus erreichen oder verlassen, sollen künftig den Zug benutzen.

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