23/04/2018

EuroAirport präsentiert Aktionsplan «Fluglärmreduktion 23.00-24.00» als Kernelement seiner nachhaltigen Entwicklungsstrategie

Der EuroAirport strebt bis 2019 die Halbierung der Anzahl Starts zwischen 23.00 und 24.00 Uhr Richtung Süden an, um die Lärmsituation in den betroffenen Gemeinden markant zu entschärfen. Als zweites Ziel will er bis 2019 die Gesamtanzahl Flugbewegungen zwischen 23.00 und 24.00 Uhr stabilisieren. Langfristig möchte er in Zusammenarbeit mit den nationalen Luftfahrtbehörden eine Begrenzung des Fluglärms umsetzen. Der verabschiedete Aktionsplan soll die Lärmsituation in der 2. Nachtstunde kurzfristig entschärfen, ohne die wichtige volkswirtschaftliche Funktion des Flughafens für die Region zu gefährden.

Nachhaltigkeit als Kernelement der Strategie «EuroAirport 2030»
Die Strategie des EuroAirport - «EuroAirport 2030» - umfasst die drei Geschäftsfelder des Flughafens: Passagierverkehr, Luftfracht und industrielle Aktivitäten (Unterhalt und Umbau von Privatflugzeugen). Sie folgt dem Prinzip der Nachhaltigkeit, welche aus den drei Bestandteilen Wirtschaft, Soziales und Umwelt besteht. Das erklärte Ziel des EuroAirport ist es, die Flughafenentwicklung nachhaltig zu gestalten und dabei die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekte auszubalancieren.

Der EuroAirport bewegt sich im Spannungsfeld verschiedener Ansprüche: Zum einen gilt es, in der wirtschaftlich starken Dreiländerregion optimale Luftverkehrsverbindungen zu gewährleisten und die wachsende Nachfrage der Bevölkerung nach Mobilität zu befriedigen. Zum anderen hat er die Anliegen der flughafennahen Anrainer zur Reduktion des Fluglärms, insbesondere in der Nacht, zu berücksichtigen.

Seit 30 Jahren verfolgt der EuroAirport eine im internationalen Vergleich progressive und aktive Lärmschutzpolitik. Angesichts der Lärmzunahme zwischen 23.00 und 24.00 Uhr während der letzten Jahre erachten der Verwaltungsrat und die Direktion des Flughafens es als unabdingbar, im Zuge der Umsetzung der auf den Grundsätzen der Nachhaltigkeit basierenden Strategie «EuroAirport 2030» wirksame kurz- und langfristige Aktionen zur Entspannung der Fluglärmsituation zu realisieren. Dabei verfolgt der Flughafen einen partnerschaftlichen Ansatz in der Zusammenarbeit mit allen Flughafenpartnern.

Ungünstige Entwicklung der Lärmsituation
Die Lärmbelastung für die Anrainergemeinden um den EuroAirport ist am Tag (laut gemessenen Werten in einem Zeitraum von 24 Stunden) im Allgemeinen stabil geblieben. Der Luftverkehr zwischen 23.00 und 24.00 Uhr im Süden und Südwesten des Flughafens nahm jedoch jüngst zu: Die Anzahl Südstarts in der letzten Betriebsstunde zwischen 23.00 und 24.00 Uhr hat sich seit 2014 verdoppelt. Auch wenn 2017 mehrheitlich eine Reduktion der Lärmbelastung verzeichnet werden konnte, anerkennt der EuroAirport einen Handlungsbedarf in Bezug auf die Lärmsituation, im Besonderen in der Zeit zwischen 23.00 Uhr und Mitternacht.

Es ist das erklärte Ziel aller Akteure am Flughafen, in den Nachtstunden in den dicht besiedelten Gebieten so wenig Lärm wie möglich zu verursachen. Der Verwaltungsrat und die Direktion des binationalen Flughafens sind deshalb entschlossen, einen wirksamen Aktionsplan mit klaren Zielsetzungen umzusetzen und ihr Gesamtkonzept zur Flughafenentwicklung mit diesem in Einklang zu bringen.
 
Kurzfristige und langfristige Ziele
Der nun vom Verwaltungsrat verabschiedete Aktionsplan setzt einerseits auf eine rasch wirksame Linderung der Lärmsituation in der letzten Betriebsstunde von 23.00 Uhr bis Mitternacht. Zugleich orientiert er sich langfristig an Zielgrössen, die sich am tatsächlichen Lärm orientieren anstatt sich auf die Anzahl Flugbewegungen zu fokussieren. Der heute präsentierte Aktionsplan ist das Resultat intensiver und offener Gespräche mit allen Partnern: Airlines, Bodenabfertigungsfirmen, Frachtunternehmen und Luftfahrtbehörden. Ziel ist es mit diesen Partnern gemeinsam eine Charta zu vereinbaren, welche die Anstrengungen zur Lärmreduktion beinhaltet. Die vereinbarte regelmässige und transparente Berichterstattung auch gegenüber den politischen Behörden, den Anrainerverbänden und der Öffentlichkeit stellen die Überprüfung der Zielerreichung sicher.

Kurzfristig: Reduktion Südstarts und Stabilisierung Gesamtbewegungen
Konkret strebt der EuroAirport im Vergleich zu 2017 die Halbierung der Starts gegen Süden in der letzten Betriebsstunde (23.00 bis 24.00 Uhr) bis Ende 2019 an. Zudem soll die Anzahl sämtlicher Bewegungen (Starts und Landungen nach Norden und Süden) in der Zeit zwischen 23.00 und 24.00 Uhr bis Ende nächsten Jahres stabilisiert werden.

Aktionsplan wirkt bereits ab Sommer 2018
Im Rahmen von Sofortmassnahmen konnten bereits ab dem Sommerflugplan 2018 rund 13 Prozent der zwischen 23.00 und 24.00 Uhr geplanten Flüge auf frühere Zeiten vorverlegt werden. Dies entspricht einer Reduktion um 102 Passagier- und 45 Expressfrachtflüge.

Da ein Grossteil der Landungen nach 23.00 Uhr auf verspätete Passagiermaschinen zurückzuführen ist, hat der EuroAirport zusammen mit den Airlines eine «Pünktlichkeitsoffensive» initiiert. Diese soll das Aufkommen verspäteter Flüge nach 23 Uhr minimieren. Das Instrumentarium reicht hier beispielsweise von Anreizen für frühere Ankunfts- und Abflugzeiten und generell grösseren Zeitmargen bis hin zu einer Optimierung der Abläufe im Express-Frachtgeschäft.

In Zusammenarbeit mit der französischen Luftfahrtbehörde (DGAC) erprobt der EuroAirport zudem neue Möglichkeiten in der Pistenbenutzung und verbesserte Flugverfahren mittels technischer Hilfsmittel.

Zudem setzt der Flughafen künftig auf weitere finanzielle Anreize, beispielsweise in Form eines Pünktlichkeitsbonus vor 23.00 Uhr oder für die Nutzung möglichst moderner lärmarmer Flugzeuge, wie etwa der neue Airbus A320neo oder der Boeing B737 Max.

Langfristig: Lärmbegrenzung
Langfristig erachtet der Flughafen es als geeignetsten Lösungsansatz, gemeinsam mit den französischen und schweizerischen Luftfahrtbehörden eine «begrenzende Lärmkurve» festzulegen und einzuführen. Diese soll als «Lärmkorsett» dienen und unabhängig von der Entwicklung der Flugbewegungen zu einer nachhaltigen Lärmbegrenzung führen. Ein weiterer Effekt einer begrenzenden Lärmkurve wäre, dass der Einsatz moderner Flugzeuge gefördert wird. Aufgrund der unterschiedlichen Rechtsgrundlagen in Frankreich und der Schweiz wird derzeit geprüft, wie eine solche begrenzende Lärmkurve ermittelt und definiert werden kann.

Entwicklungsperspektiven: primär Kapazitätserhalt, später Modernisierung

Der EuroAirport rechnet aufgrund diverser Langzeitstudien mit einem anhaltenden Wachstum aller seiner drei Geschäftsbereiche. Bis 2030 wird von einem Passagieraufkommen von zwischen 11 und 13 Millionen ausgegangen. Im Luftfrachtgeschäft liegt die Prognose bei einem Umschlag von zwischen 100‘000 und 130‘000 Tonnen für die beiden Bereiche Cargo und Expressfracht.

Um im Hinblick auf diese Entwicklung der regionalen Nachfrage die Servicequalität für alle Passagiere und niedergelassenen Unternehmen aufrechtzuerhalten, wird der EuroAirport die Kapazitäten des bestehenden Flughafengebäudes anpassen müssen.

Kurzfristig, im Zeitraum 2018 bis 2021, liegt der Fokus auf dem Erhalt der Kapazität im Bereich des Passagierterminals, der u.a. die komplette Renovierung der Ankunftshallen und die Verbesserung der Gepäckkontrollen vorsieht. Für die Sicherstellung der mittel- und langfristigen Leistungsfähigkeit und Modernisierung des Flughafengebäudes werden verschiedene räumliche Entwicklungsszenarien für den Zeitraum 2025 - 2030 geprüft. Diese Studien werden im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung von Studien zur Modernisierung der Installationen des Terminals (MIT) lanciert.

Ein wichtiges Element der Flughafenstrategie ist der geplante Bahnanschluss. Die beiden Basler Halbkantone sowie der Kanton Solothurn und die Région Grand-Est unterzeichneten im Dezember 2017 eine gemeinsame Absichtserklärung über das Fahrplanangebot. Mit dem Voranschreiten der Planung und Umweltverträglichkeitsprüfung konkretisiert sich zudem die Ausgangslage für das zweite Mitwirkungsverfahren, welches im Herbst 2018 beginnt.

Auch die Bearbeitung dieser Entwicklungsoptionen erfolgt auf der Basis der Nachhaltigkeitsgrundsätze des EuroAirport unter Berücksichtigung der ökonomischen, sozialen und ökologischen Gegebenheiten.